DIE GESCHICHTE VON PAVLOV'S DOG - (Roger Browning & Billy Mark) - Frei übersetzt von Alexander Füßl
Als Pavlovs Dog 1974 bei ABC für $ 650.000 ihren ersten Plattenvertrag unterzeichneten, war dies angeblich die höchste Summe die einer bis zu diesem Zeitpunkt unbekannten Newcomerband in den USA bezahlt wurde. Drei Jahre später, mit einem vielbeachteten Debütalbum in der Tasche und einem zweiten Album das sich wie ein Who is who der bekanntesten Studiomusiker liest, fanden sie sich ohne Label, völlig desillusioniert und zerstritten auf der Straße wieder. Die Band ereilte ein Schicksal, das sie sich mit vielen anderen Gruppierungen teilt, die unbekannten Kontrolleure des amerikanischen Radios hatten darüber entschieden. Der emotionsgeladene Sound der Formation entstand im Herzen St. Louis - einer industriellen Stadt auf den Bänken des Mississippis - getrieben von der unglaublichen Falsettstimme ihres Leadsängers David Surkamp, die für die „Schiedsrichter“ des guten Geschmacks einfach zu extrem war. Mit der Nichtaufnahme in die Playlists der landesweit empfangbaren Radiostationen blieben die Schlüsselmärkte an Amerikas Ost- und Westküsten unerreichbar - die Plattenbosse verloren schnell ihr Interesse.
Pavlovs Dog, die Condition Reflex Soul Revue und der Concert Choir begannen sich 1970 unter Mike Safron zu formieren, ein 19 Jahre alter Schlagzeuger, der bereits mit den berühmtesten musikalischen Söhnen St. Louis wie Albert King, Bo Diddley und Chuck Berry gespielt hatte. Safron war auf der Suche nach einem hybriden Sound, der von klassischen Einflüssen getragen sein sollte ohne dabei das Gefühl für den Rhythm und Blues zu verlieren, „eine Art wall of sound sollte entstehen. Dabei übernehmen dann zum Beispiel Violinen den Part der Bläser.“ Er und Douglas Rayburn, der Bassist aus Chuck Berrys Formierung, experimentierten daraufhin mit den unterschiedlichsten Stilen. Ein Jahr später nachdem Rayburn Kalifornien verlassen hatte, traf Safron Richard Nadler, einen extravaganten Geiger mit einem Faible für Jazz und Klassik, dessen kreativer Einfluss spürbar den späteren Klang prägen sollte. Safron und Nadler (der sich fortan Siegfried Carver nannte) starteten mit der Zusammenstellung der Gruppe.
Kurz darauf stellte sich ein junger hoffnungsvoller Musiker, David Surkamp, Safron vor. Safron beschrieb ihn als „zickigen Jungen mit den Ambitionen ein Gitarrist zu werden“. Safron erinnert sich weiter: „David spielte mit der Gitarre vor und gerade als ich im Begriff war ihm die Tür zu zeigen, bat er mich vorsingen zu dürfen. Es war „The Wizard“ von T-Rex. Ich hatte gerade meinen Reisepass für die Chuck Berry Europa-Tournee bekommen, aber als die ersten Töne aus Davids Mund kamen, wusste ich das ich mich damit eingehender befassen musste. Es verschlug mir die Sprache, was für eine Stimme!“
Surkamps Stimme war der Dreh- und Angelpunkt des Bandschicksals. Seine Lieder, bewundernswerte kleine Meisterwerke, bildeten den überwältigenden Hauptteils des Repertoires, während seine Stimme aus einer anderen Welt zu kommen schien. Über genau diese urteilte man, sie sei letztendlich zu extrem für den kommerziellen Geschmack. "Zitternd, quietschend, überirdisch, unmöglich herausgepresst, dennoch von Bestand", schrieb ein begeisterter Kritiker, "Wie ein Chorknabe auf Speed", sagte ein anderer weniger enthusiastisch. Surkamp hatte zuvor in "High on a Small Hill" gesungen, einer Gruppe die sich kurz nach seinem Schulabschluss formte, und bei einer blues-basierten Combo namens "Touch", in der er auch Gitarre spielen konnte. "Ich spiele heute viel besser Gitarre, als noch im zarten Alter von 19Jahren", "Touch war eine gute Band, aber einfach nicht das, was ich machen wollte. Sie spielten etwas von meinem Stoff, aber eigentlich wollten sie nur covern." Surkamp zählt „Family, Fairport Convention“ und "Robert Wyatt" als frühe Einflüsse auf, fügt aber hinzu „ich habe nie versucht wie jemand zu klingen oder seinen Songs nachzueifern“. Rick Stockton der Bassist von „High on a small Hill“ war der nächste der dem Dog beitrat, zusammen mit dem Gitarristen Steve Levin und Lexa Engle, einer Sängerin, die man engagierte um die Vokalparts von Surkamp zu ergänzen. Levin blieb einige Monate und als sich die Band einen Platz im St. Louis Chase Park Plaza Hotel gesichert hatte, musste er schnell ersetzt werden.
Safron (der seine England-Tournee mit Chuck Berry über den Haufen schmiss, und den man auf dem London Session Album und bei „My Ding a Ling“ vermisst), wandte sich an Steve Scorfina, einen Gitarristen, der einmal bei REO Speedwagon mitgespielt hatte und den er noch „damals in den 60er Jahren, zu denen ich die größte musikalische Affinität verspüre und er damals in den typisch britischen Outfits auftrat“. Musikalische Differenzen zwangen Engle aus der Band und drei weibliche Sängerinnen, allesamt nahe Freundinnen von Scorfina blieben auch nicht länger als eine kurze Zeit. Mit der Studio-Aufnahme in Pekin, Illinois, wollte Safron den Sound optimieren. Die Band trat gleich an zwei Keyboarder heran: David Hamilton, ein vielseitiger vom Jazz beeinflusster Musiker und Rayburn, Safrons Mitstreiter bei Chuck Berry, der dort vom Bass zum Keyboard gewechselt war.
Scorfina präferierte Hamilton mit dem er in der Band „Syro Flashcat“ gespielt hatte. Dennoch machte er zuerst einmal den Vorschlag Michael McDonald (Dobbie Brothers, Steely Dan) anzusprechen. Man schickte diesem alsbald einige Aufnahmen und erklärte ihm, dass man einen anderen Keyboarder und Sänger hinzufügen wolle. Doch als McDonald Davids Stimme hörte, reagierte er prompt „es gibt keine Möglichkeit auf dieser Welt, mit ihm zusammen-zuarbeiten“. Das klappte schon mal nicht, also wurde Hamilton engagiert.
Anfänglich nahm man Rayburns Ankunft in der Band nicht sonderlich gut auf. Man war besorgt die Band wachse zu schnell und sah wenig Sinn in einem zweiten Keyboarder. „Jeder fühlte sich von mir angepisst, aber ich wollte unbedingt Doug, einen extrem kreativen Musiker“, so Safron. Der große Durchbruch kam 1974 als Ron Stevens DJ auf KSHE, einem lokaler Radiosender in St. Louis, den Mitschnitt von Surkamps „Theme from Subway Sue“ aus der Pekin Session spielte. („Siegfried konnte mich während der Session nicht verstehen“, erzählt Surkamp, „Ich sang someday soon, we`ll find out where we`re going und er dachte ich singe subway sue. Ich nasilierte und so war es möglich, dass ich die Wörter miteinander vermischte. Egal, wir entschieden uns den Titel zu ändern, und ließen ihn wie einen Soundtrack-Titel klingen. So kamen wir auf „Theme from Subway Sue“, ein kleiner Insiderspaß.“)
Safron sagte, es dauerte nur noch eine kurze Zeit bis man den Titel überall spielte. „Stevens war ein Freund von mir und ich dachte es sei eine gute Idee ein Demo on air zu bringen. Aber alle anderen Bandmitglieder hielten mir entgegen die Qualität des Sounds sei nicht gut genug um im Radio ausgestrahlt zu werden. Die Wahrheit aber war, dass jeder seine persönlichen Gründe hatte, Scorfina mochte sein Gitarrensolo nicht, Carver den Klang seiner Geige nicht, Surkamp hasste seine Stimme an einem gewissen Punkt.“ Der Song weckte großes lokales Interesse und so auch die Aufmerksamkeit von Ron Powell, dem größten Rock-Promoter aus Missouri, der schnell das Potential der Band erkannte und die Stelle von Safron`s Bruder Bob einnahm. Powell wurde schon bald seinem Ruf gerecht indem er ABC überzeugte $ 650.000 für die Band zu bezahlen. Kurz darauf reiste die „Hausband“ des Ambassador Theaters („wir lebten damals bei unserem Equipment, niemand hätte es uns klauen können“, erinnert sich Surkamp) mit seinen sieben Musikern nach New York um „Pampered Menial“ in den CBS Studios unter den Produzenten des „Blue Oyster Cults“, Murry Krugman und Sandy Pearlman, aufzunehmen.
Pampered Menial enthält neun Tracks, hauptsächlich aus Surkamps Feder. Carver schrieb einen der drei Tracks, die nicht auf das Konto von Surkamp gingen: „Preludin“ ist ein quasiklassisches Instrumental das im Original von 10 Minuten auf ein 90 Sekunden-Stück reduziert wurde (es wurde aber in voller Länge auf dem KSHE-Mitschnitt von 1974 im Ambassador Theater eingefangen), von Safron kam „Songdance“ und von Scorfina „Natchez Trace“ („ich hatte wirklich einen Traum und hörte das „Riff“ in meinem Kopf; meine Mutter, die übrigens aus New Orleans kommt, erzählte mir eine Begebenheit, die einem ihrer Großonkel dort unten widerfuhr und eben an diese Geschichte musste ich mich im Schlaf erinnern“)
Als Kind wurde Surkamp ziemlich von Asthma geplagt, was einen nicht unerheblichen Einfluss auf sein Wirken als Songschreiber ausübte. “In der Zeit mit großer Atemnot vegetierte ich Monat für Monat vor mich hin“, erwähnte er einmal in einem Interview des New Musical Express. „Alles was ich machen konnte war lesen: Fantasy- und Märchengeschichten. Davon handeln meine meisten Lieder, besonders „Episode“ und „Of once and Future Kings“ Es sind fortgesetzte Kindererzählungen.“ Die Entstehung von „Julia“, dem ersten Lied der „Pampered Menial“-LP, war mehr irdischer Natur. „Wir hatten gerade unser Plattenvertrag in der Tasche und saßen herum, während wir auf die Fernsehshow die Eric Carmen in concert („Rasperries“, einen Kerl den ich im übrigen aus Cleveland kannte) zeigen sollte, warteten. Meine Eltern hatten sich geschieden und mir dieses wundervolle Haus unmöbliert bis auf ein großes Piano hinterlassen. Egal! - Ich schrieb „Julia“ zwischen den Werbeblöcken. Die nächste Nacht gingen wir runter zum Ambassador und Mark Spector (ein Produzent der mit Columbia Records arbeitete) hielt sich dort mit ein paar anderen Leuten auf. Ich ging mit meiner Gitarre in den Kassenraum und fragte in die Runde, ob das irgendwie in Ordnung wäre – es haute alle aus den Schuhen.“
Scorfina und Safron erinnern sich auch an die Aufnahme von „Julia“, „Eines der besten Solos, die ich je gespielt habe, wurde dafür aufgenommen“, erzählt Scorfina. „Als sie uns die ersten Kopien der Aufnahme zuschickten, verweilte ich derzeit in St. Louis. Aber als ich endlich meinen Part anhören wollte, war an dieser Stelle ein Flötensolo.“ Das Flötensolo kam von Hubert Laws (Crusaders, Ron Carter), Safron war bei der Aufnahme anwesend. „Laws, der weltanerkannte Flötist spielte Dutzende verschiedener Solos für den Song ein, alle waren großartig nur keines passte zu „Julia“, „Ich fuhr fort ihm vorzuschlagen dies oder jenes einmal zu versuchen. Als er dann urplötzlich das berühmte Solo brachte, schrie ich nur „Das ist es! – Das ist es!“, Laws konnte es nicht leiden, er stand auf, packte seine Flöte ein, ging auf mich zu und schnarrte „Wenn ich auf diesem Album erwähnt werde, klage ich!“ Er fand keinen Eintrag.
Der Titel des ersten Albums und sein bemerkenswertes Cover, eine Litographie von Robert Vernon, spielt auf das pawlowsche Thema an, ein roter Faden, der sich auch durch „At the sound of the bell“ (das zweite Album) zieht. Aber es existieren immer noch Unstimmigkeiten über die Umstände des Produktionsverlaufs von „Pampered Menial“. Nach Safron verrichteten die Produzenten einen lausigen Job an „Pampered Menial“. „Es war ein Meer voller Widersprüche“, „Man begriff nicht mehr, was eigentlich los war. Powell fragte mich, ob ich nicht nach New York zurückfliegen könne, um das gesamte Album neu zu mischen. Die Produzenten hassten den Moment meines Erscheinens, ich übernahm direkt. Nie wurde ich für meine Koproduktion gewürdigt.“ Surkamp hingegen besteht darauf, dass Pearlman und Krugman für die Gesamtproduktion von „Pampered Menial“ verantwortlich waren. Scorfina wiederum „Mike blieb im Studio und half beim Remixen, Pearlman und Krugman waren auch dort. Doug (Rayburn) war ebenfalls anwesend und als er und Mike gegangen waren, mixten die zwei Produzenten fröhlich weiter.“ Die Risse innerhalb der Band und mit dem Plattenlabel klafften immer weiter auseinander. Just als man „Pampered Menial“ veröffentlichte, entschied ABC die Gruppe fallen zu lassen, die ein paar Monate zuvor für $ 650.000 unterzeichnet hatte. Das Ganze ereignete sich innerhalb einiger Wochen, obwohl Powell bereits einen zweiten Vertrag, diesmal mit Columbia über $ 600.000 an Land gezogen hatte.
Wieder unterscheiden sich die Erinnerungen. Safron glaubt, der Bruch mit ABC steht nicht im Zusammenhang mit dem zweiten Vertrag, er ist überzeugt davon, dass Powell die Verantwortung dafür trägt. Powell wusste das Columbia scharf darauf war einen Vertrag mit der Gruppe zu bekommen und dies, obwohl man bisher eine Zusammenarbeit ablehnte. Surkamp und Scorfina stellen die Situation anders da, ihrer Version zufolge unterzeichnete die Band unter Jay Lasker dem Präsidenten von ABC , kurz bevor der ausschied, um sich einem neuen Label zu widmen. „Wir waren sein Lieblingsprojekt“, Scorfina, „als er ging stand die Firma nicht mehr hinter uns, weil sie keine Erfolge mit unserer Vermarktung verzeichneten. Es tauchten eine Menge Probleme mit den Programmgestaltern der Radiosender auf, die behaupteten Davids Stimme sei ein bisschen zu bizarr und sie könnten es im Radio nicht verwenden.“, „Mark Spector empfahl den Columbiadirektoren den Kontrakt mit ABC auszulösen, gerade als „Pampered Menial“ vor seiner Veröffentlichung stand.“, „Es gab bei Columbia Leute die an uns glaubten, die bereit waren sich für uns zu schlagen.“ Wie dem auch sei, die ABC und Columbia-Pressungen erschienen zeitgleich, trotz verschiedener Cover. Und in dem Augenblick wo das erste Album die Charts von Australien, Dänemark, Frankreich und Neuseeland hochzuklettern begann, zeigten sich die ersten Auflösungstendenzen.
„Vieles war während der Arbeit zu „Pampered Menial“ zerbrochen und wir waren glücklich das Album überhaupt herausgebracht zu haben.“, sagt Safron „Das Drehbuch allerdings war damals schon geschrieben“, „Es war eine rein politische Angelegenheit. Das Management versuchte die Leute untereinander aufzuhetzen. Powell wollte Surkamp mit ein paar Studiomusikern im Rücken akustische Musik spielen sehen, weil er dachte damit mehr Geld zu machen. Jeder wollte David Glauben machen er sei ein zweiter Bob Dylan. Jeder hasste den anderen, keiner wusste wer der Verräter ist. Powell machte seinen Job richtig gut.“ Scorfina stimmt dem zu „Die Plattenfirma puschte David, nicht die Gruppe. Davids Stimme und seine Songs klangen fantastisch, aber die Gruppe selbst war sensationell, mit einem Gefühl für sich selbst. Die Plattenfirma versuchte uns in einer Art zu vermarkten, wie wir nicht hätten vermarktet werden sollen.“ Zu dieser Zeit begannen die Aufnahmen für das zweite Album, drei der Originalmitglieder, Hamilton, Carver und Safron – gegangen! Hamilton ging aus Frustration, erzählte er in einem späteren Interview „Mein Material wurde nicht mit auf die Aufnahmen genommen, zudem waren die Probleme mit dem Management übelster Natur.“ Er schied aus, nachdem er eine $ 10.000 Auszahlung abgelehnt hatte, die er für ein künftiges Mitwirken an dem zweiten Album bekommen sollte.
Die Ereignisse hinter Carvers und Safrons Abschied sind weniger klar umrissen. Surkamp behauptet, Carver verließ die Band aus Loyalität zu Safron, weil dieser gefeuert wurde. Nicht so, kontert Safron; Carver ging aus politischen Gründen und, nebenbei, wurde bei Pavlov`s Dog niemand gekündigt. Safron besteht darauf von Powell überzeugt worden zu sein für das zweite Album dem Schlagzeuger von Yes, Bill Bruford, Platz zu machen. „Carver hatte uns schon verlassen. Als Bruford kam, erklärten mir die Produzenten, das wäre gut für die Publicity , so stellte ich mich nur hinter die Interessen der Band. Mir wurde gesagt ich werde als volles Mitglied der Band aufgeführt und kann weiterhin live mit auftreten. Die Seele verließ uns nach Carvers und Hamiltons Ausscheiden und als „At the Sound of the Bell“ erschien, ich mich darauf nicht fand, entschloss ich mich auch aufzuhören.“ Er ging mit $ 4000 Abfindung und half noch weitere drei Monate Verpflichtungen für eine Tournee einzuhalten.
Scorfina bestätigt das Carver „die Schnauze voll hatte mit der ganzen Politik, mit der Plattenfirma und der ganzen Situation“. Als ihm gesagt wurde sein Material wird nicht auf der Sound of the Bell erscheinen, „Spiel Geige, wenn du gefragt wirst und halt das Maul!“ – gab er auf – ohne eine Kompensation in der Tasche. Was Safron anbelangte, so Scorfina, verweigerten Pearlman und Krugman die Arbeit an dem zweiten Album mit ihm. „Manchmal arbeiteten wir bis zu 12 Stunden an neuem Songmaterial, wenn Mike dann aber sagte „Wir machen es anders“, hätten wir alles überarbeitet um uns danach wieder anzuhören „Wir müssen hier ändern“. Oft erscheinen Änderungen plausibel, aber Mike übertrieb. Er verscherzte es sich mit den Produzenten und sie signalisierten uns unmissverständlich sie würden nicht mehr mit uns zusammenarbeiten, wenn wir Mike einsetzten. Sicherlich durften bei uns alle das gleiche sagen, aber Mike spielte sich immer ein bisschen stärker in den Vordergrund.“
Bruford kam für Proben nach St. Louis und wurde von Safron in der Gegend herumchauffiert, „Ich habe ihm sogar meine Drums überlassen, aber der dachte nur, das ganze sei ein Witz.“ Scorfina teilte diese Ansicht „In diesem Punkt war ich wirklich auf Mikes Seite, mir ging alles ziemlich auf den Arsch, Mike war ein guter Schlagzeuger. Er ist ein gefühlvoller Schlagzeuger und mal ganz ehrlich, ich dachte dass Bruford eine schlechte Wahl für uns sei, obwohl er technisch und auch sonst wirklich gut ist. Wir waren keine „Techniker“, daher konnte er uns nicht gut ergänzen, ein Grund für den Mangel an Gefühl auf der „Sound of the Bell“.“ Bruford trat kurz vor den Aufnahmen zum zweiten Album der Gruppe bei. „Wir hatten damals noch wenig Material konzipiert. So wussten wir nicht was oben abging als wir die basic tracks spielten, es war vollkommen unorganisiert.“
„At the Sound of the Bell“ wurde 1976 in den Record Plant – Studios, New York aufgenommen, es zeichneten sich die gleichen Produzenten verantwortlich. Man mixte in den Ramport Studios in London aufgrund des Auftrittes des High Wycombe Knabenchors. Ein Haufen Studiomusiker, eingeschlossen Bruford, Andy Mackay (Roxy Music), Elliot Randall (Steely Dan, Boz Scaggs) und Mike Brecker (Dreams, Billy Cobham) komplettierten die vier Originalmitglieder (Hamilton wurde als technischer Berater engagiert). Surkamp schrieb alle neun Lieder, eines in Zusammenarbeit mit Scorfina und vier mit Rayburn (eine Partnerschaft, die sich in den kommenden Jahren noch entwickeln würde).
Alles in allem war es ein ruhigeres Album das auch nur verhaltene Kritik erntete. Die gesungenen Passagen stachen immer noch heraus, wenn auch nicht so überragend und das Album ließ den kreativen Einfluss von Safron und Carver vermissen. Aber Surkamp, der sich mittlerweile zum defacto-Kopf der Band aufgeschwungen hatte, denkt nicht dass auf der Platte ein wirkliche Veränderung spürbar ist. „Der Sound der Lieder gibt wahrscheinlich eine Richtung wieder, die alle Songs aus dieser Zeit in in sich trugen“, „Wir nützten Studiomusiker um den Sound voller klingen zu lassen, ich mochte schon als Kind den Klang verschiedener Instrumente, offen gesagt, wenn mir jemand das Geld gäbe Andy Mackey ein Saxophonsolo spielen zu lassen, ich wäre bereit.“. Tom Nickeson, der mit seinem Folkduo Pavlovs Dog in den frühen Jahren begleitete, spielt auf dem Album akustische Gitarre. Nach seinem Erscheinen wurde er eingeladen die Lücke, die durch Hamilton auf den Keyboards entstanden war, zu füllen, während Kirk Sarkisian (ein Drummer mit der Funkband „Punch“ aus Florida), Safrons Platz einnahm.
Das neue Jahr, wir befinden uns bei 1977, sollte mit der Arbeit zum dritten „offiziellen“ Album von Pavlov`s Dog beginnen. Das provisorisch mit „Has Anyone Here Seen Siegfried“ betitelte Album wurde in Richmond Heigh Missouri unter den Produzenten Mark Spector und John Jansen aufgenommen. Es war ein Schicksalsprojekt, bevor das Album erschien, verließ Surkamp die Band und Columbia verwarf alles. „Es war eine schreckliche Zeit, und ich genoss es wirklich nicht“, erinnert Surkamp sich „Da waren jede Menge Grabenkämpfe untereinander und während der Aufnahme des dritten Albums wollte jeder Songschreiber und Sänger sein, was mir keinen Raum mehr lies. Deshalb ging ich.“
„Bis auf Doug fühlte sich die Band immer bedroht von mir und das hatte nicht so sehr mit Powell zu tun. Ich bin immer meine eigenen Wege gegangen und so hatte ich meinem eigenen Pfad zu folgen.“ Surkamp hatte den Dog schon verlassen, als Columbia cancelte. Powell hatte rechtliche Probleme, die nicht mit der Gruppe verknüpft waren, aber sie waren an ihn wie mit einer „eisernen Klaue“ gebunden. „Wir hatten nie richtige Hits gehabt und während wir in Städten wie St. Louis, Detroit und San Antonio so berühmt waren wie Led Zeppelin, waren wir in anderen Städten ein Nichts. Niemand in der Firma war überzeugt wir bekämen wegen Davids Stimme einen Radioauftritt, weshalb uns Columbia letztendlich fallen ließ.“ Als vier Jahre nach Fertigstellung (1977) das Album immer noch nicht veröffentlicht war, veranlassten Scorfina und Nickeson die Pressung von 1.000 Kopien als „offiziellen“ bootleg.
Gewidmet all denjenigen, die nie die Möglichkeit hatten den „dog“ kennenzulernen, veröffentlichte man und „St. Louis Hounds“ um rechtliche Probleme mit Columbia zu vermeiden. „Wir hatten ein half-track master aus dem Studio, der ziemlich gut war“, so Scorfina, „wir hatten all unser Herzblut in dieser Geschichte vergossen und waren ziemlich gebrochen, als plötzlich einige Jungs sagten, komm lasst uns was daraus machen. Wir haben es aufgelegt und im Gebiet rund um St. Louis in Umlauf gebracht.“ Um das Album zu vollenden, nahmen Surkamp und Rayburn das Mastertape nach New York um es dort mit Hilfe von Jeff Baxter (Steely Dan, Doobie Brothers) und Randall (unerwähnt auf mehreren Tracks) zu remixen.
Das Ergebnis war das inhomogenste der drei Alben. „Offen gestanden“, Surkamp, „Wäre ich glücklicher, wenn das Album nicht erschienen wäre, es war nicht gerade meine beste Arbeit.“ Die Ereignisse zurückblickend urteilt Scorfina, war dies der Tiefpunkt seiner musikalischen Karriere „Wir hatten viele Jahre damit verbracht an dem zu arbeiten und zu proben, was letztendlich als Pavlovs Dog bekannt wurde und was passierte? Wir waren aus dem Plattenlabel herausgeschmissen worden, gebrochen und erschöpft, die meisten von uns mit Drogenproblemen und zerstörten Träumen.“ Es gibt eine ziemlich einstimmige Meinung zwischen Safron, Surkamp und Scorfina wenn sie über die finanzielle Situation der Gruppe reden. „Wir legten Powell mit einer Unterschrift unser Leben in seine Hände und nahmen es nicht einmal wahr. Wir waren so jung und verletzlich, wir konnten nicht hinter die Eckpfeiler unseres Erfolges sehen.“, jammert Safron „Wir unterschrieben alles, die Abtretung der Veröffentlichungsrechte, alles. Wir verdienten als headliner $ 10.000 bis $ 20.000 am Abend und hatten einen wöchentlichen Durchschnittlohn von $ 150 pro Nase.“ Sie nahmen das hin, als wie wenn es Powell wäre, der allein ihren Erfolg bestimmte. „Wir waren alle dermaßen egoistisch, dass wir nicht wirklich verstanden was um uns herum passierte.“, „Technisch war Powell der beste Manager. Es war als ob ein paar Jungs das erste Mal den Duft der großen weiten Welt geschnuppert hatten und ihnen irgendjemand das alles zu Füßen legte, nur weil wir als Rockstars wahrgenommen werden wollten.“
Fast zehn Jahre nach der Veröffentlichung des dritten Albums hörte man wieder ein wenig mehr von Pavlov`s Dog. Die originalen Bandmitglieder, ohne Hamilton und Stockton, mit Rayburn am Bass, kamen in der Mitte der 80er für eine Reihe von Reunion-Konzerte zusammen. Eine geplante Australientour 1990, welche mit einem Live-Album beendet werden sollte wurde abgebrochen. 1990 war es, als wäre der Dog wieder auferstanden als Surkamp und Rayburn das vierte Album „Lost in America“ aufnahmen. Die CD wurde in Rayburns Benton Park Studios in St. Louis produziert und von Telectro Records veröffentlicht. Es finden sich Kurzauftritte von Scorfina und Sarkisian wieder, Surkamp performte die mit Rayburn entstandenen Songs. Michele Isam (Saxophon), Robert Lloyd (Bass) und Frank Kriege (Drums) stellten den Rest der Truppe.
Fünf Jahre später produzierte Safron mit seiner sechsköpfigen Band „Pavlov`s Dog 2000“ die EP „End of the world“. Scorfina spielte in der ersten Formierung der Gruppe, verließ sie aber als die Aufnahmen in den Kiva Studios, Memphis begannen. Hinter Safron, der das meiste schrieb und sang, standen örtliche Musiker, Tom Tarantino (Keyboards), Julie Moreno (Gesang), Steve Simons (Gitarre), Hunter Spring (Bass) und Ron Vince (Geige). Das Album veröffentlichte Kanned Goose Records und wie Lost in America, war der anfängliche Verkauf auf das Gebiet von St. Louis beschränkt.
Aber die Musiker waren nicht untätig in der damals schon 13 Jahre andauernden Geschichte des Dogs. Nachdem Break 1977 zogen Surkamp und Rayburn nach Seattle, wo sie „Madshadows“ gründeten und an einem Album arbeiteten. Sie hatten es zur Hälfte realisiert als ihre Plattenfirma, Janus Records Insolvenz anmeldete. „Es ist wirklich das fehlende Stück zu den zwei ersten Alben, aber ich bin mir sicher es wird nie veröffentlicht.“, sagt Surkamp über ihre unbeendete Arbeit „Es klingt mehr nach Pavlovs Dog als das dritte Album, es war eine Fortsetzung eines musikalischen Gedankengangs, einer Idee“. Er und Rayburn schrieben kurze Zeit Melodien für Radiospots, bis sie sich mit Ian Mathews (Gründer von „Fairport Convention“ und „Mathews Southern Comfort“) in Seattle zu einem neuen Projekt, das „Hi-Fi“ heißen sollte zusammenschlossen. Rayburn kündigte schon bald die Zusammenarbeit auf.
„Doug war kein Gitarrenfan, und wir hatten gleich drei Gitarristen bei Hi-Fi“, „Ian Mathews wollte etwas härter spielen, als er es zu dieser Zeit war und das beeinflusste Hi-Fi. Ich sah es immer als eine Mischung zwischen Buffalo Springfield und den originalen Fleetwood Mac – eine Menge Gitarrensolos und interessant geschriebene Lieder. Ich konnte so viel singen wie ich wollte und es gab einige Dinge auf Erden die inspirierender waren, als nach links zu schauen und Ian Mathews spielen zu sehen.“ Hi-Fi brachte zwei Alben heraus – „Demonstration Records“ – eine Live-EP und „Moods for Mallards“, ein komplettes Studioalbum. Während seiner Seattle-Zeit spielte Surkamp in der lokal ansässigen Band „Big Fun“ Gitarre.
Scorfina und Nickeson traten „Gulliver“ und der lokalen Gruppe „Pave“ (mit Carver) bei. Der Gitarrist spielte mit Safron unter anderem in der Sommerville-Scorfina Band und war für kurze Zeit mit Surkamp bei „Memphis Underground“ wiedervereint. „Wir spielten ein paar der alten Pavlovs Dog-Songs, eine Menge R&B, Carl Perkins und Elvis“. Er reüssierte mit seinem Soloalbum „Polychrom Lovesongs“. Safron und Carver handelten blitzschnell und während der Trennung von Pavlovs Dog hatten sie sich wiedervereinigt um „Children“ zu gründen. 1978 ging die Formation auseinander und Safron heuerte bei „The Strangers“ (1980-1982, Album: Steal the Night Away) und „Trace the Moon“ (1990) an.
Carver verabschiedete sich schließlich von der Musik, er zog nach Kansas, wo er Leiter und Herausgeber des Magazins der Missouri Steuerzahlerinteressenvertretung wurde. Hamilton zog nach Los Angeles, er gewann mehrere Preise für seine Kompositionen. Stockton lebt in Witchita, Kansas, er arbeitet als Umwelt- und Sicherheitsmanager. Surkamp schlug zwischenzeitlich beim St Louis Dispatch als Musikredakteur durch, setzte aber mittlerweile seine Musikerlaufbahn fort, schreibt Songs und performt regelmäßig mit seiner „The David Surkamp Band“ in der Region von St. Louis. Rayburn betreut währenddessen sein Benton Park Studio. Safron spielt oft in St. Louis und hat Pläne für ein Reunion-Konzert mit allen Originalmitgliedern. 2002: 28 Jahre von da an wo alles begann, weigert sich der Gründer von Pavlov`s Dog alles aufzugeben und sterben zu lassen.
Im Jahr 2003 hat sich die Gruppe "Pavlov's Dog" wiedervereinigt. Am 26. Dezember 2003 fand eine Jam-Session statt und am 26. Juni 2004 gab die Band ein Reunion-Konzert in St. Louis. Seitdem ist Pavlov's Dog wieder regelmäßig auf Tour.